Charitina von Amisos, Jungfrau und Märtyrerin
Gedächtnis: 5. Oktober
Die heilige Jungfrau und Märtyrerin Charitina lebte zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian und erlitt um das Jahr 304 in Amisos im Pontos das Martyrium. Schon als kleines Kind verlor sie ihre Eltern und wurde zur Waise. Ein vornehmer und wohlhabender Mann namens Claudius, der sich durch Güte und Barmherzigkeit gegenüber den Armen auszeichnete, nahm sie bei sich auf und erzog sie wie seine eigene Tochter.
Als Charitina heranwuchs, zeichnete sie sich durch Sanftmut, Demut, Gehorsam, Schweigsamkeit, Keuschheit und Klugheit aus. Vor allem aber liebte sie Christus und weihte Ihm ihr Leben als Seine Dienerin und Braut. Sie bekannte ihren christlichen Glauben offen und führte auch andere Menschen zur Erkenntnis Christi.
Während der Verfolgung unter Kaiser Diokletian wurde bekannt, dass Charitina Christin war und auch andere zum christlichen Glauben führte. Soldaten wurden ausgesandt, um sie zu ergreifen und vor Gericht zu bringen. Als sie aus dem Haus ihres Pflegevaters Claudius fortgeführt wurde, folgte dieser ihr weinend. Er wusste, welchen Leiden sie entgegenging, und bat sie, seiner vor dem himmlischen König zu gedenken, wenn sie in die Gemeinschaft der heiligen Märtyrer aufgenommen werde.
Vor dem Statthalter wurde Charitina beschuldigt, Christin zu sein und andere Menschen zu ihrem Glauben zu führen. Furchtlos bekannte sie Christus. Auf den Vorwurf, sie verführe andere, erwiderte sie, dass sie niemanden verführe, sondern vielmehr die Irrenden vom Irrtum wegführe und ihnen den Weg der Wahrheit zeige, indem sie sie zu Christus führe.
Da Charitina nicht bereit war, ihrem Glauben abzuschwören, wurde sie schweren Folterungen unterworfen. Ihr Leib wurde mit glühendem Eisen verwundet und mit Feuer gebrannt. Doch auch unter den Qualen blieb sie standhaft und bekannte weiterhin den Namen Jesu Christi. Weder Schmerzen noch Drohungen vermochten sie von ihrem Glauben abzubringen.
Daraufhin beschloss der Statthalter, Charitina im Meer ertränken zu lassen. Man band ihr einen schweren Stein um den Hals und warf sie ins Wasser. Durch die Kraft Gottes löste sich jedoch der Stein von ihr und sank in die Tiefe, während Charitina auf dem Wasser wandelte und wieder das Ufer erreichte. Sie kehrte aus eigenem Willen zum Richter zurück und forderte ihn auf, angesichts dieses Wunders die Macht Christi zu erkennen und an Ihn zu glauben. Der Richter aber verhärtete sein Herz, schrieb das Geschehene der Zauberei zu und ließ die Märtyrerin erneut quälen.
Schließlich beabsichtigten ihre Verfolger, die jungfräuliche Reinheit Charitinas zu verletzen. Als die heilige Jungfrau erkannte, was man mit ihr vorhatte, erhob sie ihre Hände zum Himmel und flehte zu Gott, sie aus den Händen dieser Männer zu erretten. Ihr Gebet wurde erhört: Noch bevor sie ihr Gewalt antun konnten, übergab Charitina ihre reine Seele in die Hände des Herrn und vollendete so ihr Martyrium, ohne dass ihre jungfräuliche Reinheit verletzt wurde.
Der Richter ließ ihren Leib daraufhin in einen mit Sand beschwerten Sack legen und ins Meer werfen. Drei Tage später wurde der unversehrte Leib der heiligen Märtyrerin von den Wellen wieder ans Ufer getragen. Claudius, der sie von Kindheit an wie seine eigene Tochter geliebt und erzogen hatte, nahm ihren Leib an sich und bestattete ihn unter Tränen, zugleich aber in geistlicher Freude und in der Gewissheit ihres Sieges in Christus, mit allen Ehren.
Quelle: Justin Popović, Žitija Svetih
Gebete
Troparion (3. Ton)
Gestärkt durch die Gnade hast du die Macht der Gottlosigkeit beschämt und über die Kräfte der Natur hinaus gekämpft. Du hast einen unerschöpflichen Strom der Gnade über diejenigen gegossen, die zu dir rufen: O glorreiche Charitina, bitte Christus, unseren Gott, uns seine große Barmherzigkeit zu gewähren.